Wirtschaften der Zukunft

Wirtschaften der Zukunft

Arena der Blickwinkel

Transkript

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00:00:00: ,100 [Speaker 0] musik] Wirtschaften der Zukunft. Dieser Podcast ist als Wegweiser für wirtschaftliche Themen zu sehen, die zukünftig erscheinen. Mein Fokus liegt dabei auf den unterschiedlichsten Blickwinkeln mit den verschiedensten Gästen, die ich begrüßen darf. Ich bin Britt Lorenzen und heiße euch herzlich willkommen. Seid mein Gast in der heutigen Folge. Lieber Christian, mit Materna und dir werden wir heute konkret, wenn es das Wirtschaften der Zukunft und Digitalisierung geht. Ihr sagt: „Das Beste aus der Technologie rausholen, das leben wir." Was bedeutet das konkret für dich?

00:00:36: ,420 [Speaker 1] Dass Digitalisierung natürlich schon sehr, sehr große bis unendliche Potenziale bietet. Wir haben aus meiner Sicht eine Unternehmenskultur, eine Herangehensweise geschaffen, die dafür sorgt, dass wir diese Potenziale auch wirklich heben können. Das hat was mit Change Management zu tun, das hat was mit den Mitarbeitern zu tun, über die wir sprechen. Wir haben vier Strategiedimensionen rausgeprägt, die die Gemeinsamkeiten zusammenbringen, die wir in allen unseren Projekten sehen. Wir sprechen über diese Gemeinsamkeiten, wir sprechen über diese Dimensionen und eben auch vielleicht auch meine Perspektive daraus, wie man das wirklich in die Realisierung bringt. Deswegen, ich hoffe, die Zuhörerinnen und Zuhörer können da was für sich mitnehmen.

00:01:09: ,520 [Speaker 0] Auf jeden Fall. Bleibt neugierig und gespannt. Wir freuen uns auf euch.

00:01:17: ,560 [Speaker 0] musik] Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, heute sitze ich hier mit Christian. Christian Samuelewitz, du bist bei Materna angestellt, einem Unternehmen mit Sitz in Dortmund. Und warum, Christian, sollten unsere Zuhörerinnen und Zuhörer diesen Podcast zum Wirtschaften der Zukunft auf jeden Fall hören?

00:01:34: ,860 [Speaker 1] Ha, weil wir gleich über die Digitalisierung in Deutschland sprechen und vielleicht auch in Europa, weil ich ein relativ junger Vertreter einer Management-Generation bin, der vielleicht auch ein paar interessante Insights noch bieten kann, was es bedeutet, in so einem Unternehmen zu sein, das so vom Mittelstand zum Konzern sich entwickelt hat, auch in ziemlich rasender Geschwindigkeit.

00:01:52: ,280 [Speaker 0] Mhm.

00:01:53: ,660 [Speaker 1] Trotz einer relativ langen Historie mit sechsundvierzig Jahren. Da gibt es ja nicht so viele Unternehmen in der IT, die das können. Und, äh, ich glaube, das wird ganz spannend, auch für verschiedene Bereiche. Wir reden ja nicht nur über IT-Projekte.

00:02:05: ,300 [Speaker 0] Nein.

00:02:06: ,160 [Speaker 1] Die Strukturen, die wir so haben, haben, glaube ich, viele andere Unternehmen auch. Projekte, die ich so mache, machen viele andere auch. Da kann ich einfach ein bisschen Wissen teilen und hoffe, dass das eine spannende Folge für die Zuhörer und Zuhörer wird.

00:02:17: ,280 [Speaker 0] Mit den Augen stellen. Lieber Christian, wenn du dich mit drei Schlagworten, mm, beschreiben darfst, und zwar was deine Persönlichkeit angeht: Welche drei Eigenschaften sind das, die dich besonders ausmachen? Und jetzt bin ich gespannt, wer schmunzeln könnte, der diesen Podcast hört und sagt: „Echt, Christian, bist du sicher?" Welche drei sind das?

00:02:33: ,060 [Speaker 1] Also mein erstes ist sehr Adjektiv, begeisterungsfähig. Ich bin jemand, der sich sehr gerne in Themen reinfuchst und wenn mich ein Thema wirklich packt, dann gehe ich da fast ein bisschen akademisch ran und, äh, will das alles durchdringen.

00:02:46: ,600 [Speaker 0] Mhm.

00:02:46: ,440 [Speaker 1] Das ist das Erste. Das Zweite ist familienorientiert. Ich bin Dortmunder geboren und aufgewachsen, war dann zwischendurch zum Studium mal woanders eine kurze Zeit, habe aber auch meine Familie hier, Eltern, Schwiegereltern, Kinder, Frau, alles in der Region, bin auch der Region emotional sehr verbunden und das spielt eine große Rolle für mich trotz des verantwortungsvollen Jobs, dass ich die Familie immer noch irgendwie mit vereint bekomme.

00:03:09: ,340 [Speaker 0] Und das Dritte?

00:03:10: ,660 [Speaker 1] Und das Dritte wäre, es passt ein bisschen zur Begeisterung, ich würde leidenschaftlich sagen, weil die Themen, für die ich dann brenne, wenn ich mich für irgendwas begeistere, da bin ich auch wirklich hinterher. Also ich habe privat ein großes Interesse schon immer für Musik gehabt. Ich spiele selber Gitarre und ich gehe so oft ich kann auf Konzerte und da trifft man mich in allen möglichen-

00:03:28: ,609 [Speaker 0] Spielst du auch selber Gigs und man erwischt dich sozusagen an Feierabendstunden?

00:03:32: ,750 [Speaker 1] Ich hatte natürlich mit vierzehn, fünfzehn die übliche Punkband, die man so haben musste.

00:03:35: ,240 [Speaker 0] Geil, echt?

00:03:36: ,260 [Speaker 1] Mit den Schulfreunden, ja. Und hab dann später auch noch mal in einer Band ein bisschen länger gespielt, aber spätestens so mit den Kindern hat das irgendwann aufgehört. Jetzt spiele ich nur noch zu Hause. Ich spiele mit den Kindern in der Tat manchmal Band. Meine Jungs sind zehn und sechs und der Kleine hat ein Mikro und der Große auch eine Gitarre und dann tun wir so, als wären wir eine Band und ich kann die Sachen halt wirklich spielen und die Kinder nicht.

00:03:54: ,620 [Speaker 0] Die improvisieren dann. Die machen dann Luftgitarre hinterher.

00:03:56: ,780 [Speaker 1] Ja, wir mussten auch an Weihnachten schon mal ein Konzert spielen. Die mussten alle zuhören, die mussten alle klatschen.

00:04:00: ,640 [Speaker 0] Sehr geil.

00:04:01: ,060 [Speaker 1] Ziehen wir schon echt durch mit der Musikbegeisterung.

00:04:04: ,400 [Speaker 0] Begeisterung für IT. Es geht um das Wirtschaften der Zukunft. Wenn du euer Unternehmen, mm, ich hatte dich vorhin gefragt: „Darf man euch schon Konzern nennen?" Und du hast mir liebevoll gesagt: „Mensch, Britt, wir sind ein sehr großer Mittelständler", oder: „Man darf uns auch schon als kleiner Konzern sehen." Ihr habt über viereinhalbtausend Mitarbeitende, seid an über vierzig Standorten, ich darf sagen, weltweit vertreten. Euch gibt es seit 1980. Und wenn du Materna mit drei Eigenschaften oder Schlagworten beschreiben darfst, tust, sind das welche?

00:04:33: ,840 [Speaker 1] Ja. Also erst die Schlagworte oder erst die Einordnung?

00:04:35: ,020 [Speaker 0] Ich weiß noch nicht.

00:04:36: ,800 [Speaker 1] Ich mache die Schlagworte gern zuerst. Ähm, Materna versteht sich selbst und das ist auch was, was unsere Kunden und Partner uns widerspiegeln, als sehr umsetzungsstark. Das heißt, wenn wir ein Projekt, einen Auftrag bekommen von einem Kunden, dann ziehen wir das auch wirklich durch und wir liefern dann auch eine Lösung, die am Ende einen konkreten Mehrwert schafft.

00:04:52: ,260 [Speaker 0] Auch wenn ihr zwischenzeitlich, jetzt unterbreche ich dich schon, ne, an eure Grenzen kommt oder sagt: „Mensch, wir müssen jetzt echt konkret umdenken", und, äh, ihr erfahrt ordentlich Widerstand. Also ihr-

00:05:00: ,820 [Speaker 1] Ja, das passiert in IT-Projekten ja sogar relativ regelmäßig, dass man zum Beispiel das Thema hat, dass am Ende des Tages noch Projekt übrig ist und wir dann aber einfach eine extra Meile drauflegen, ohne das dem Kunden in Rechnung zu stellen, weil wir es einfach fertig kriegen müssen. Ist auch regelmäßig passiert. Deswegen muss man da im Management immer ein bisschen hingucken, dass wir uns natürlich nicht ausbeuten. Aber wir haben halt auch einfach sehr, sehr viele Menschen, die auch für die Projekte sehr, sehr brennen, die sich wirklich reinfuchsen. Das ist auch das, was wir in sechsundvierzig Jahren, glaube ich, so als ich einen der, der USPs, also die Next Selling Points, so mitgeben: Wir denken uns wirklich tief in die Fachverfahren und Projekte der Kunden rein. So, und das macht uns vielleicht auch ein bisschen anders als andere IT-Dienstleister, die es so gibt, die mehr von der Stange kommen, die weniger tief drinstecken.

00:05:40: ,220 [Speaker 0] Weil ihr mehr Leute seid? Jetzt stelle ich eine ganz blonde Frage, ne. Aber warum schafft ihr das, was, was ein Kleinerer vielleicht nicht hinkriegen würde?

00:05:46: ,240 [Speaker 1] Kleiner würde ich gar nicht-- Das hat gar nichts mit der Größe oder Anzahl der Mitarbeitenden. Das ist eher so das Mindset, was Menschen in bestimmten Organisationen einfach haben. Ich will natürlich auch keine, keine Marktbegleiter irgendwie nennen, aber es gibt einfach Organisationen, wo es einfach nicht so en vogue ist, sich so tief da reinzufuchsen und für den Kunden dann so zu brennen, sondern wo es eher darum geht, möglichst schnell das Projekt abzuhaken und zum nächsten Kunden weiterzuspringen.Das ist genauso legitim, das ist einfach eine andere Organisationskultur. Und bei uns ist es eher so, wir ziehen das im Sinne des Kunden durch, so weit wie's eben sein muss.

00:06:13: ,720 [Speaker 0] Also die Leidenschaft, die du privat auch mitbringst, [lacht] äh, schwappt auch, sag ich mal, mit Materna beim Kunden über. Was wäre die zweite Eigenschaft oder zweite, nicht Alleinstellungsmerkmal? Kann man das sagen? Ist es wirklich der USP?

00:06:24: ,100 [Speaker 1] Ja. Das zweite Wort, was mir einfällt, ist souverän.

00:06:28: ,620 [Speaker 0] Mhm.

00:06:28: ,040 [Speaker 1] Das hat mehrere Bedeutungen, mehrere Tiefen. Und zwar geht's eigentlich darum: Wir sind seit 46 Jahren am Markt. Wir sind eine, äh, Ausgründung von der TU Dortmund von zwei Gründern und sind nach wie vor zu 100 % in dieser Familien, in der Hand der beiden Familien immer noch. So. Jeweils zu 50 %, sind auch im Aufsichtsrat vertreten, auch schon in der nächsten Generation. Und damit, das mein ich mit souverän, wir sind nicht abhängig von Shareholder Value. Wir müssen nicht alle drei Monate irgendwelche Sachen berichten und dementsprechend zum Beispiel Personalentscheidungen treffen oder wirtschaftliche Entscheidungen. Wir sind halt nur sozusagen unseren Gründern, unserem Aufsichtsrat, uns selbst verpflichtet. Was heißt, dass wir sehr langfristig planen können, ne? Also es hat in der Generationenübergang zum Beispiel auch nachhaltig geplant. Wir planen halt auf Jahrzehnte, nicht auf Monate. Das heißt, wir sind sehr souverän in dem, wie wir selbst Entscheidungen treffen können. Wir haben nicht viele, die uns von extern, abgesehen von unserem Kunden und Partner vielleicht, wo man natürlich immer schauen muss, ansonsten entscheiden wir selbst. Und das bringt uns in 'ne ziemlich komfortable Lage. Wenn ich mir die Lünendonk-Liste angucke, das ist 'ne, 'n Analyst, der in Deutschland, äh, 'n Ranking macht der IT-Dienstleister, der Relevanten. Da gibt's so in den Top 25, deswegen auch die Frage nach dem Mittelstand, da ist ab 500 Millionen Umsatz, bist du in der kleineren Liste, also in der Mittelstandliste. Wir sind halt in der oberen Liste, in der höheren Liste. Da sind wir in den Top 25, wenn ich's jetzt mal schnell so im Kopf durchgeh, einer von zwei Unternehmen, das noch in Familienhand ist. Alle anderen sind schon in anderen Strukturen unterwegs, ne? Das heißt, die treffen Entscheidungen dann vielleicht anders. Wir sind, fühlen uns ziemlich komfortabel und wohl da in der Situation, in der wir sind. Deswegen Souveränität.

00:07:57: ,260 [Speaker 0] Das heißt auch den Mitarbeitenden dann gegenüber, ne, weil da stecken ja auch, ich möcht nicht sagen 4.500 Familien dahinter, ne, aber dass ihr auch die Verantwortung dafür nehmt, wenn ihr wachst, okay, nehmen wir den Menschen mit, ne. Und Menschen, da kommen wir gleich auch noch mal drauf, Menschenhaltung. Was macht das mit euch im Konzern? Und was wäre das dritte Schlagwort?

00:08:11: ,810 [Speaker 1] Dazu wollt ich noch ganz kurz was sagen. Ich weiß noch, aus der, ich bin seit drei Jahren jetzt bei Materna und ich, ich mag meinen Job sehr, ich mag meine Aufgabe sehr. Können wir gleich noch 'n bisschen tiefer reingehen.

00:08:18: ,840 [Speaker 0] Aber, aber.

00:08:18: ,480 [Speaker 1] Nein, nein, kein Aber. Auf keinen Fall. Alles vorm Aber ist gelogen. Deswegen versuche ich, kein Aber einzubauen. Nee, ich, ich mag das wirklich sehr. Als ich begonnen hab, wurde ganz oft sagt man ja Materna-Familie. Das ist so 'n geflügeltes Wort in der Unternehmenskultur. Und ich hab immer gesagt, ich brauch gar keine zweite Familie. Ich hab ja schon eine. Ich hätt aber gerne 'ne Wertegemeinschaft, die sozusagen gemeinsam am gleichen Strang zieht. Und das hat was mit Familie zu tun, ja, aber ich find so 'ne Unternehmensfamilie, ich, in 'ner Familie gibt's ja kein Performance Review. [lacht] Im, im Business schon und das ist auch okay so. Aber Wertegemeinschaft unterschreib ich trotzdem komplett, weil das ist ähnlich wie in 'ner Familie bei uns. Genau.

00:08:55: ,180 [Speaker 0] Und das dritte Schlagwort?

00:08:57: ,280 [Speaker 1] Technologie oder Technologie. Ich nehm mal noch mal Begeisterung, weil das, das-

00:09:01: ,740 [Speaker 0] Aber das können die anderen ja auch, ne?

00:09:02: ,860 [Speaker 1] Ja, ja, aber das, das ist trotzdem in der Kombination was, was uns ausmacht, weil wir zum Beispiel jetzt in der ganzen KI-Geschichte, die sich seit mindestens mal zweieinhalb, drei Jahren sehr, sehr konkret im Unternehmen bewegt, wir müssen halt nicht besonders lange überzeugen, um den Mitarbeitenden klarzumachen, dass das 'ne Richtung ist und dass es nicht weggeht, dass es kein Hype ist. Sondern es ist eher so, dass wir teilweise Kolleginnen und Kollegen einbremsen müssen, die noch Ideen haben, die über das hinausgehen, was wir zum Beispiel als Organisation schnell ermöglichen können, die dann mit Tools rumspielen, wo man halt sagt: „Na ja, gut, im Sinne unseres Kunden dürfen wir aber das jetzt hier an der Stelle natürlich noch nicht machen, weil die Daten zum Beispiel souverän gehalten werden müssen und die können nicht einfach alles in 'n LLM reinkippen." Das heißt, da ist so 'ne Playfulness, irgendwie schwierig, so Verspieltheit ist eigentlich, ich mein's professioneller, aber die Menschen bei uns stehen halt drauf, sich mit neuen Sachen auseinanderzusetzen.

00:09:46: ,920 [Speaker 0] Und dafür gebt ihr Raum, ne? Das sind also natürlich hast du Leitplanken, aber der Raum oder die Arena, in der man sich bewegen darf, um da Blickwinkel und Möglichkeiten zu bespielen, äh, die wird gegeben. Welche Rolle nimmst du konkret hier bei euch ein?

00:09:57: ,480 [Speaker 1] Ja. Ich bin Senior Vice President Group Marketing and Communications. Das ist 'n ziemlich langer Titel. Genau, ja, ja. [lacht]

00:10:04: ,740 [Speaker 0] Okay. [lacht]

00:10:05: ,599 [Speaker 1] Und Member of the Executive Board, äh, Executive Management Board, so.

00:10:08: ,080 [Speaker 0] Ja.

00:10:09: ,380 [Speaker 1] Das heißt-

00:10:09: ,240 [Speaker 0] Schön, dass ich hier sein darf. [lacht]

00:10:10: ,100 [Speaker 1] Genau. Ich, ich leite die Abteilung Marketing und Kommunikation. Das ist bei uns in einem, in einer Verantwortung. Gibt ja auch viele Unternehmen, die das trennen, aber wir machen das zusammen für die Gruppe. Das heißt praktisch für die viereinhalbtausend Mitarbeitenden. Ich hab 'n Team hier in Dortmund, wir machen Corporate Marketing and Communications und wir haben natürlich teilweise in den Töchterunternehmen noch mal eigene Marketing-Kommunikationseinheiten, die dann mit so 'ner dotted Line, also praktisch nicht direkt an mich berichten, aber wo ich schon 'ne Verantwortung hab, was die Ergebnisse angeht.

00:10:37: ,600 [Speaker 0] Und das weltweit, ne? Also das ist nicht nur ... Ja.

00:10:39: ,920 [Speaker 1] Genau. Wobei weltweit, also wir, wir Materna sind sehr stark in Europa fokussiert, vor allem über eine unserer Töchter, die CBS, die machen SAP Business. Die gehen halt auch dahin, wo die Kunden sind und die sitzen teilweise eben in Asien, Australien, Indonesien, äh, Amerika. Die haben dann da natürlich Niederlassungen vor Ort, weil da die Kunden auch vor Ort Niederlassungen vor Ort haben. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich einmal im Monat nach Amerika fliege, um da irgendwelche Marketingsachen zu besprechen. Das läuft schon sehr, sehr deutsch-europäisch hier in Zentraleuropa ab. Mh, und wir haben bei Materna einen, wir nennen das erweiterten Vorstand, das Executive Management Board. Neben den drei Vorständen sitzen da die Leitung Corporate Development, Legal Prozesse, People and Culture, also unsere Human Resources und Marketing Communications, also ich. Das sind, sind wir zu siebt insgesamt, sodass da auch 'ne erweiterte Vorstandssitzung stattfindet einmal im Monat, wo ich dann eben Teil von bin und wir gemeinsam versuchen, die strategischen Geschicke des Unternehmens in die richtige Richtung zu lenken.

00:11:34: ,480 [Speaker 0] Ah, welche Diplomatie in dieser Aussage. Ich würd gern konkret werden. Und zwar, du sagst, du bist seit drei Jahren an Bord. Du hast ein, ein Unternehmen nicht, nicht vorgefunden. Ich sag mal, 46 Jahre Firmengeschichte, das spricht ja schon für sich. Ich will jetzt nicht fragen, was hast du in den letzten drei Jahren auf den Weg gebracht und wo geht die Reise-- Was hast du eigentlich gemacht? Genau, ne. Aber ihr habt 'n Fokus gelegt auf vier Dimensionen und die Frage, die ich mir jetzt grade stelle: Kann ein Klein- und Mittelständler, w-wo kann man sozusagen mit Blick hinter die Kulissen mit den Augen stählen? Wo darf man sozusagen von euch lernen? Also das eine ist, wir sind grade schon mit Menschen und Haltung, als du in der Vorstellung von nicht nur deiner Person, sondern auch Materna gesagt hast, Mensch, ohne die Menschen funktioniert's nicht. Obwohl wir in einer digitalen Welt sind, die, ich will nicht sagen, aus Eins und Null besteht, aber so technisch ist und so digital. Wow, welche Rolle spielt der Mensch? Und auf der anderen Seite hast du grade beschrieben, wie schnell ihr nicht nur gewachsen seid und ich unterstelle, es geht auch weiter, weil wenn man nicht nur hier den Ort, wo wir grade sind, in Dortmund sieht. Aber vielleicht kannst du zu den vier Dimensionen, na, wie geht das kurz und knackig, weil da ja unheimlich viel Musik hinter steckt, etwas sagen. Und ich würde gerne mit der Dimension tatsächlich Human und Digital anfangen. Also das Humane oder der Mensch auf der einen Seite und Digitales, Digitalisierung. Was hin... steckt hinter diesem Digital und wo hast du in den letzten drei Jahren etwas auf den Weg gebracht, wo du sagst: „Mensch, das ist uns geglückt"-

00:12:51: ,780 [Speaker 1] Mhm

00:12:52: ,580 [Speaker 0] A, aber B, da sind wir auch an unsere Grenzen gekommen und manches ist nicht so gelaufen, wie es eigentlich angedacht war, aber es war eigentlich streiche ich wieder mein Lieblingsunwort, aber es war wichtig, sonst würden wir heute nicht dastehen, wo wir stehen. Also zwei Fragen in einer verpackt. Das kann ich immer gut, aber, äh, ja, nee, das krieg ich auch wieder klein. Also das, äh, Menschliche und das Digitale: Warum ist das eine Dimension, die ihr im Fokus habt? Wo seid ihr gut? Wo darf man mit den Augen stehlen? Aber wo seid ihr auch richtig an eure Grenzen gekommen?

00:13:18: ,790 [Speaker 1] Gerne. Wenn ich, wenn ich darf, gehe ich noch einen kleinen Schritt vorher zurück, nämlich überhaupt, dass es vier Strategiedimensionen sind.

00:13:25: ,400 [Speaker 0] Das war der Auslöser.

00:13:26: ,940 [Speaker 1] Das ist auch schon ein Auszug, eine Neuerung in unserer Unternehmensstrategie, wo ich ziemlich viel dran beteiligt war, das so als Bild zu entwickeln, weil wir vorher unser Serviceportfolio sehr zerklüftet einzeln dargestellt haben. Wir machen Data und AI, wir machen Cloud, wir machen Cybersecurity, wir machen Nachhaltigkeit, wir machen das alles. Und dann wurde immer von den Kunden zum Beispiel gefragt: „Na ja, wofür steht ihr denn? Könnt ihr das verdichten?" Das fragst du ja vielleicht auch, ne. Also was wollt ihr denn mir eigentlich sagen, für welche klaren Punkte ihr steht? Und dann ist ja dieses Reduzieren und Fokussieren ist ja im Marketing eigentlich so die Königsdisziplin, dass du auch den Claim auf so 'ne kleine, auf so ein kleines Level runterdestillieren kannst, dass jeder sofort weiß: Ja, ist doch klar.

00:14:05: ,580 [Speaker 0] Und da hast du dir bestimmt auch Freunde gemacht mit, ne? [lacht]

00:14:07: ,180 [Speaker 1] Total viele Freunde. Es war richtig schön. Ja, vor allem, weil natürlich bei uns durch diese Begeisterung jeder der Meinung ist, dass sein Thema am allerwichtigsten natürlich ganz oben auf dem Tableau stehen muss. Und am Ende haben wir dann mit Kunden gesprochen, mit Partnern gesprochen, intern ganz viel gesprochen und haben dann herausgearbeitet, dass es diese vier Strategiedimensionen gibt, die uns in allen Digitalisierungsprojekten immer wieder begegnen in verschiedenen Facetten und wo wir zufällig in der Gruppe auch praktisch Services drauf mappen können und sagen können: „Das tun wir halt auch, das können wir gut."

00:14:35: ,520 [Speaker 0] Cool.

00:14:35: ,000 [Speaker 1] Und da ist Human x Digital ist halt, äh, der Erste in dem, in den Strategiedimensionen. Die sind auch deswegen Dimensionen, weil sie miteinander verschränkt sind. Also man kann jetzt nicht so klar sagen, Resilience hat jetzt mit Human x Digital nichts zu tun, ne. Die überschneiden sich ja. Das war allein schon grafisch 'ne ziemliche Kopfnuss, ein-- vier Dimensionen, die sich miteinander verschränken, so abzubilden, dass du trotzdem einen Kern hast und dass es nicht einfach aussieht wie ein Kleeblatt. Relativ lange wurde auch Kleeblatt gesagt. Also intern nennen das, glaube ich, immer noch Leute Blumen oder Kleeblatt. Bei uns heißt es Strategiematrix.

00:15:05: ,800 [Speaker 0] Ihr seht hier gerade schierende, schreiende Gesichter nicht, aber durch die Stimme geht's auf jeden Fall. Ich hab jetzt ja mit Human und Digital angefangen. Was macht genau diesen Bereich aus? Und um dann nachher auf die anderen, nicht nachher, aber gleich auf die anderen drei überzugehen. Ich hab ihn mir jetzt ausgesucht, weil ich sage, der steht im Mittelpunkt, wo wir wissen, dass das ein Gleichgewicht, eine Balance ist aus allen vieren, sonst ist es nicht ausgewogen, ne.

00:15:23: ,470 [Speaker 1] Ist es auf jeden Fall. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir diese Technologie, die wir zur Verfügung stellen, eben für Menschen zur Verfügung stellen, die sie benutzen. Deswegen Mensch-Maschine-Verbindung, ne, also Mensch-Maschine-Interaktion. Am Ende geht’s immer darum, dass wir immer noch einen Menschen im Loop, wir sagen Human in the Loop, ist so der Fachbegriff dafür, dass wir auch bei hochkomplexen KI-Projekten trotzdem nicht alles an den Agenten auslagern, sondern immer noch jemand eine Entscheidung trifft, jemand einen Prompt am Anfang abgibt. Und wir haben ja sehr viele große Kunden im öffentlichen Sektor, in der Verwaltung, auch in der Industrie, aber vor allem auch da, wo sehr lange etablierte Fachverfahren digitalisiert werden. Und Digitalisierung bedeutet ja nicht einfach, jetzt muss ich das Fax nur noch einmal einscannen und dann per E-Mail verschicken, sondern es bedeutet ja wirklich, einen neuen Prozess so zu schaffen, den du ohne digitale Mittel gar nicht gehabt hättest. Und dabei die Menschen mitzunehmen. Darum geht’s bei Human x Digital, ne. Wir haben, äh, eine Tochter, Materna TMT, die sehr stark im Change Management ist. Und Change Management ist ja dann gut, wenn du den Leuten nicht sagen musst, dass du Change Management machst, sondern dass wir praktisch in einem Projekt, wo eine Technologie verkauft wird, automatisch mit dem Kunden schon mitdenken. Wir müssen auch die Workforce, also die Mitarbeitenden, so dahin bewegen,-

00:16:32: ,300 [Speaker 0] Ein Teil des Ganzen

00:16:33: ,410 [Speaker 1] ... dass sie es einsetzen können. Und da gibt’s dann Schulungen. Da haben wir hier zum Beispiel TV-Studios, wo wir Webcasts aufnehmen.

00:16:39: ,420 [Speaker 0] Cool.

00:16:39: ,100 [Speaker 1] Mittlerweile gibt’s auch einen, einen Agenten, einen digitalen Avatar, mit dem die Menschen sprechen können über ein Thema, der denen dann in normaler natürlicher Sprache erklärt, was sie für ein Problem haben und wie man das lösen kann. Und das sehen wir eigentlich schon da, wo das in Projekten von vornherein mitgedacht wird, ist der Erfolg am Ende größer. Es wird oft der Fehler gemacht in vielen, auch großen Projekten, ehrlich gesagt, dass man die Technologie als Lösung hinstellt und sagt: „So, hier, jetzt habt ihr eine neue Technologie. Viel Spaß. Hier ist ein Bedienerhandbuch." Und ein Jahr später hat man sich dann gefragt: Warum nutzen die Leute denn immer noch das alte zum Beispiel und haben das neue gar nicht adaptiert in ihr Verhalten? Na ja, weil es niemand wirklich erklärt hat. Vor allem dieses what’s in it for you. Warum solltest du das tun? Was hast du davon? Was ist dein Vorteil? Das ist halt 'ne große Frage, wie du das im Change Management halt machst und da gehören dann noch ein paar andere-

00:17:23: ,380 [Speaker 0] Wie seid ihr mit dem Widerstand umgegangen? Weil ich will nicht sagen, das hat ja bestimmt auch was mit dem Alter zu tun, dass man Jüngere eher damit erreicht hat, weil die einfach pfiffiger sind oder Ähnliches. Ich kenne genug oder könnte genug Beispiele nennen. Nee, das hat nichts mit dem Alter zu tun, weil man einfach 'ne gewisse Neugierde ja auch braucht, Bereitschaft, diese Veränderung auch anzugehen. Aber was war die größte Hürde für diesen, jetzt sag ich schon, Kleeblattbereich, ne. Also für diesen-

00:17:43: ,900 [Speaker 1] Strategiedimension.

00:17:43: ,900 [Speaker 0] Für diese Strategiedimension, genau.

00:17:45: ,740 [Speaker 1] Also.

00:17:46: ,940 [Speaker 0] Und wo können wir von euch lernen?

00:17:47: ,240 [Speaker 1] Aus meiner Sicht, ich krieg ja auch nicht in jedem Projekt alles mit, aber ziemlich wenig mit dem Alter zu tun. Es ist wirklich eher das Mindset der Menschen und es hat ein bisschen was mit der Organisation zu tun, wie, wie offen man für, äh, Veränderungen ist. Und das steht und fällt am Ende immer alles mit dem Kundenbriefing, ne. Also wenn der Kunde seine Organisation gut versteht und erklären kann, wo diese Fehler sein können, wo die Herausforderungen sein können, dann können wir auch entsprechende Lösungen anbieten. Manche Organisationen brauchen vielleicht eine Website mit einem umfangreichen Agentensystem da drauf, wo du dann mit dem Agenten sprechen kannst. Andere brauchen Videos, kurze Videos zum selber angucken. Andere brauchen irgendwie was Interaktives, so ein bisschen Verspieltes. Das kann man so von außen. Wir können natürlich alles liefern, aber wir kommen nicht mit einem Bauchladen und sagen: „Guck mal hier, such dir was aus." Sondern im besten Fall ist der Kunde selber schon relativ-

00:18:32: ,670 [Speaker 0] Konkret.

00:18:32: ,400 [Speaker 1] ... relativ konkret da drin, was die Mitarbeitenden bräuchten

00:18:36: ,860 [Speaker 1] und dann können wir das entsprechend zusammenbauen. Das ist bei der öffentlichen Hand manchmal natürlich ein Thema, weil Projekte viel über Ausschreibungen gemacht werden, wo es dann um den Preis geht und so was on top ist immer ein bisschen expendable, also immer so ein bisschen: Oh, müssen wir denn, müssen wir das mit den Menschen denn auch noch mit dazu machen?

00:18:50: ,840 [Speaker 0] Dialog ist das Zauberwort. [lacht]

00:18:51: ,448 [Speaker 1] In der Tat, im Dialog fällt ganz oft auf, dann, wenn man’s tut, funktioniert’s am Ende besser.Zufriedene Mitarbeitende, erfolgreicheres Projekt. Ja.

00:19:00: ,918 [Speaker 0] Welche Dimension würdest du, es ist ja kein Ranking, ne-

00:19:02: ,918 [Speaker 1] Ja.

00:19:02: ,828 [Speaker 0] ... aber als Nächstes sozusagen in die Waagschale werfen und uns mitnehmen?

00:19:07: ,928 [Speaker 1] Also wir können gerne einmal kurz zu AI rübergehen, also Artificial Intelligence, künstliche Intelligenz. Haben wir in der Tat länger drüber diskutiert, ob das eine Strategiedimension überhaupt jetzt sein muss oder ob das sich sozusagen eh in jedes Projekt in Zukunft so reindefundiert, dass man das gar nicht mehr explizit rausheben muss. Wir sehen aber natürlich auch immer noch Projekte-

00:19:27: ,728 [Speaker 0] Weil das 'n Querschnittsthema ist.

00:19:28: ,968 [Speaker 1] Das ist 'n Querschnittsthema auf jeden Fall, aber es gibt auch Projekte, wo dann KI noch nicht so 'ne große Rolle spielt. Die Geschwindigkeit ist schon atemberaubend, ne, in der da Sachen passieren. Wir sehen jetzt eigentlich, dass so ziemlich jedes Projekt, was wir machen, 'nen KI-Anteil hat, wenigstens am Anfang, also in der, im Briefing, in der Konzeption, in der Entwicklung.

00:19:45: ,708 [Speaker 0] Zum Halten der Information oder weshalb? Fragt jetzt ein Laie, der komplett nicht in einem tiefen Thema drin ist. Warum?

00:19:51: ,008 [Speaker 1] Mh, ich mach dir das an 'nem konkreten Beispiel vielleicht. Wir haben einen wunderbaren Kunden, Energienetzbetreiber, der dafür zuständig ist, dass das Energienetz funktioniert. Und früher wurden die Bilder vom Energienetz manuell ausgewertet. Da saß jemand und hat geguckt: Oh, wurde da in den letzten Jahren vielleicht 'n Gebäude gebaut? Ist 'n Problem, wenn das 'ne Oberlandleitung ist, ne, so. Ist 'n Gebäude, kann ja umfallen.

00:20:12: ,588 [Speaker 0] Mhm.

00:20:12: ,648 [Speaker 1] Jetzt hast du 'ne KI-basierte Bilderkennung, die dir innerhalb von Sekundenbruchteilen sagt, das könnte 'n Problem sein oder nicht. Vor zwei Jahren ohne 'n KI-Tool wäre das gar nicht ge..., also da gab's Machine Learning, aber da gab's praktisch diese Möglichkeit gar nicht, das zu tun. Jetzt haben wir die Möglichkeit, das zu tun und sorgen so dann dafür, dass das Energienetz sicherer ist. Das ist 'ne, 'ne, 'ne Optionsraum, den's einfach vor 'n paar Jahren noch gar nicht gab. So. Und wo wir jetzt eben auch in der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung, in der Wirtschaft, bei Kunden einfach feststellen, dass die Projekte so groß sind und so vielversprechend, was man da an Potenzialen halt heben kann. Es gibt ja, du kennst die Diskussionen wahrscheinlich, Britt, dass so 95 % der Projekte scheitern, das hat überhaupt keinen Mehrwert. Also wir stellen das so nicht fest. Die Projekte, die wir machen, sind eher so, dass die 'n sehr, sehr konkreten Mehrwert bringen, sodass dann das Folgeprojekt schon wiederkommt, ne. Also-

00:20:58: ,388 [Speaker 0] Unangenehm, ne. Das ist, äh [lacht]

00:21:01: ,468 [Speaker 1] Sehr unangenehm. Für uns nicht.

00:21:02: ,908 [Speaker 0] Ja, das denk ich mir. Weshalb sollte man vor AI keine, ich möcht nicht sagen Angst haben, aber wie kannst du, könnt ihr Lust drauf machen? Also wir kommen, wenn wir auf das Wirtschaften der Zukunft Bezug nehmen, kommen wir ja nicht drum rum.

00:21:12: ,088 [Speaker 1] Ja.

00:21:13: ,778 [Speaker 0] Jeder von uns, und sei's nur im kleinsten Spielraum, braucht diese Dimension, die ihr jetzt hier für euch als eine der vieren definiert habt. Wie könnt ihr, wie kannst du sagen: „Mensch, das ist gar kein Hexenwerk.“ Also sprich nicht uns nur an, sondern einfach nehmt euch diesem Thema an.

00:21:27: ,718 [Speaker 1] Ja. Also Hexenwerk ist es nicht. Es ist im Endeffekt ja auch nur 'n statistisches Modell. Das hilft jetzt aber auch nicht so weiter.

00:21:33: ,748 [Speaker 0] lacht]

00:21:33: ,727 [Speaker 1] Ich nehm gerne 'n Zitat, was schon tausend Mal durch die Medien gegangen ist, was auch völlig richtig ist: „Die KI ersetzt den Menschen nicht, aber Menschen, die KI nicht nutzen, werden durch Menschen ersetzt, die KI nutzen.“

00:21:43: ,308 [Speaker 0] Auch schön.

00:21:44: ,808 [Speaker 1] Und das ist auch das, was ich auch mit meinem Team genauso besprochen hab, schon vor anderthalb Jahren ungefähr, als ziemlich klar absehbar war, dass es kein Hype bleibt. Wir müssen einfach schauen, dass wir diese Potenziale, die dahinterstecken, in der Nutzung geben. Und das kannst du dann machen, wenn du dir selber überlegst: Was ist meine Rolle? Was ist mein Prozess, den ich hier tue? Was davon ist automatisierbar? Relativ einfach. Und jeder, also bis hoch zum Vorstand, findet ganz sicher Tätigkeiten, wo man sich denkt: Muss ich jetzt wirklich 'ne Zahl von der PDF in der Excel abtippen?

00:22:12: ,208 [Speaker 0] Nein.

00:22:13: ,148 [Speaker 1] Muss ich jetzt wirklich, keine Ahnung, 'ne Tonfolge wirklich so irgendwo ausprobieren oder kann ich das einfach 'n, 'n Tool machen lassen? Und Ausprobieren ist halt genau das Stichwort. Mit KI ist es jetzt das erste Mal, glaub ich, in der Geschichte der Menschheit wahrscheinlich so möglich, so breit für die generelle Bevölkerung, solche Tools so zu nutzen. Du musst ja nicht programmieren können. Du musst ja einfach nur in natürlicher Sprache sagen, was du brauchst. Also jeder, der sich mit ChatGPT mal 'n Familienas... Also ich hab 'n Familienassistenten gebaut, mit dem meine Kinder sich unterhalten können. Der spricht, wenn der Kleine ihn anspricht, dann gibt er 'ne andere Antwort, als wenn ich ihn anspreche, weil der in der Stimme erkennt, dass es jetzt-

00:22:46: ,788 [Speaker 0] Der vor ihm ist.

00:22:46: ,928 [Speaker 1] Genau. Der Kleine fragt nach Fortnite und er sagt: „Frag deine Eltern.“ Ich frag nach Fortnite und er sagt: „Na ja, ich kann dir empfehlen, ab welchem Alter und so weiter und so fort.“

00:22:52: ,888 [Speaker 0] Gut geschult. [lacht]

00:22:53: ,168 [Speaker 1] Ne, also das fun..., das war einfach. Ich bin kein Softwareentwickler. Ich hab da keine Ahnung von. Ich hab im Endeffekt den normalen, die Agentenbauplattform von ChatGPT, Microsoft Copilot, Claude, Anthropic, die können das alle super, Gemini, Google, sich einfach wirklich damit auseinandersetzen, weil es auf jeden Fall so sein wird, dass jeder Arbeitsbereich davon betroffen sein wird. Physical AI, also praktisch im Physischen erlebbar über Roboter, das wird wahrscheinlich noch 'n bisschen dauern, aber ehrlich gesagt ist das auch nicht mehr so weit weg.

00:23:20: ,208 [Speaker 0] Nee, grade wenn du Richtung Pflege oder im Gesundheitswesen guckst.

00:23:23: ,778 [Speaker 1] Richtung selbstfahrende Autos, ne.

00:23:24: ,788 [Speaker 0] Wahnsinn, ja.

00:23:24: ,558 [Speaker 1] Also Maschinen, die Roboter, die selber rumfahren. Das wird schon auch schneller kommen, als wir so denken. Aber auch rein alle Berufe, die was mit Bürotätigkeit zu tun haben, was bei uns jetzt natürlich der Großteil ist, da ist so viel in Veränderung. Man muss sich damit auf jeden Fall auseinandersetzen. Und das Einfachste ist auch wirklich, sich eins dieser Tools auszusuchen und den einfach zu fragen: „Das ist mein Job“, ohne natürlich konkret was über seinen Arbeitgeber oder so was zu sagen, sondern einfach die Rolle zu beschreiben und zu sagen: „Was sollte ich jetzt tun, um im nächsten Jahr praktisch handlungsfähig zu bleiben?“ Und dann macht er einen Plan. Da macht er sogar 'n Lernplan mit ei..., der sucht noch mal YouTube-Videos raus, die man sich angucken soll.

00:23:59: ,368 [Speaker 0] So, dann ist ja die Frage, auf wie viel, wie, kann man sich da drauf verlassen? Also wie viel Vertrauen kannst du da dann reinstecken? Eine Riesendiskussion, die, ich glaube, auch an euerm Esstisch dann-

00:24:07: ,718 [Speaker 1] Ja, auf jeden Fall.

00:24:07: ,427 [Speaker 0] ... nicht nur am Kundentisch, sondern auch zu Hause dann, äh, gegeben wird.

00:24:10: ,388 [Speaker 1] Deswegen auch immer der Mensch im Loop.

00:24:12: ,608 [Speaker 0] Ja.

00:24:12: ,208 [Speaker 1] Ich würde das niemals als Suchmaschine nutzen und diese Informationen ungeprüft weiter-

00:24:17: ,008 [Speaker 0] Als gesetzt nehmen, genau. Nee.

00:24:19: ,888 [Speaker 1] Natürlich nicht im Kundenkontext, aber bei unseren Projekten eh schon nicht, aber auch im Privaten würd ich das nicht machen. Ich nutz das für so Sachen wie: Wir fahren irgendwo hin und dann sag ich: „Mach mir doch mal 'ne Reiseroute, 'ne Planung und dann suchst du mir vielleicht noch irgendwie 'n schönes Restaurant raus und das und das.“ Aber ich guck mir trotzdem dann die Website des Restaurants noch mal an.

00:24:32: ,278 [Speaker 0] Ich wollt grad sagen, ist dir das dann auch.

00:24:34: ,468 [Speaker 1] Also ich lass den das nicht einfach buchen und dann steh ich vor 'ner Pommesbude, wenn ich das nicht möchte, ne. Vielleicht will ich aber 'ne Pommesbude haben.

00:24:39: ,948 [Speaker 0] Auch nicht schlecht, kann man auch mal gut.

00:24:40: ,548 [Speaker 1] Also ich prüfe diese Informationen schon immer noch, wenn's was Wichtiges ist. So. Ansonsten, also recherchieren lassen für irgendwelche wissenschaftlichen Arbeiten oder Kundenprojekte würd ich eh niemals machen.

00:24:50: ,098 [Speaker 0] Und da sind wir wieder im Unternehmenskontext, ne.

00:24:52: ,098 [Speaker 1] Genau.

00:24:52: ,088 [Speaker 0] Also warum ist AI wichtig? Da bist du drauf eingegangen. Ich möcht nicht sagen, leider so 'n bisschen mit Blick auf die Zeit, aber ich meine, mit dir könnt ich zu jedem Thema alleine einen Podcast machen, aber wir möchten die zwei anderen Dimensionen bitte nicht unter den Tisch fallen lassen.

00:25:02: ,268 [Speaker 1] Ja.

00:25:02: ,468 [Speaker 0] Resilienz ist noch ein weiterer Faktor, und zwar Business.

00:25:05: ,588 [Speaker 1] Ja.

00:25:05: ,588 [Speaker 0] Mit Businessbezug. Warum? Was konkret versteckt sich dahinter?

00:25:08: ,308 [Speaker 1] Auch das hat in der Tat was mit KI zu tun. Also Business Resilience verstehen wir so, das ist die Absicherung des Geschäfts auf 'nem digitalenWeg. Also es geht uns jetzt zum Beispiel nicht darum, dass wir Gebäude absichern, Infrastruktur. Das gehört auch dazu, das machen wir aber nicht. Es gibt mittlerweile natürlich auch IT, das ist die Internet, und OT, das ist die Technologie außerhalb von der IT. Beides musst du absichern. Ne, das, was ich jetzt gerade zum Beispiel gesagt mit dem, äh, Energienetzbetreiber, das ist ja praktisch nicht ein vernetztes System. Das sind ja einfach Leitungen, die über Land rumfliegen. Du musst dich trotzdem IT-technisch damit auseinandersetzen, wie du das schützen kannst, weil du ja nicht jeden Tag mit dem Hubschrauber über diese Leitungen fliegen kannst und aufpassen kannst. Und IT, Cybersecurity ganz konkret. Also ich kenne nicht viele Unternehmen, die nicht jeden Tag angegriffen werden und durch die KI wird das noch, also das, äh, man nennt das so Spear-Phishing oder, oder Phishing allgemein, wo die Attacken praktisch so gut versteckt werden mittlerweile, dass man, man merkt's fast gar nicht mehr. Und du brauchst auf der anderen Seite 'nen Schutzwall, der auch immer höher gebaut wird, ne. Und wir sind da in der Cybersecurity, im Consulting und auch in der Umsetzung sind wir schon ziemlich gut aufgestellt und helfen unseren Kunden halt dabei zu erkennen, wo denn diese Probleme sind, denen jeder sich aus-- Und ich mein, das ist ja auch, wenn man immer die Medien irgendwie 'n bisschen aufmerksam verfolgt, wer da so alles gehackt wurde in den letzten Jahren.

00:26:22: ,028 [Speaker 0] Da gibt’s ja die Großen genau wie die Kleinen.

00:26:24: ,758 [Speaker 1] Kommunen, Unternehmen, große wie kleine. Es gibt die kritische Infrastruktur. Das können sehr, sehr kleine Unternehmen sein, die aber trotzdem dann für die Infrastruktur absolut entscheidend sind. Und grade wenn man 'ne kleine Organisation ist, denkt man vielleicht eher so: Ah, mich hat halt keiner aufm Schirm. Das ist ja alleine durch die KI mittlerweile viel einfacher möglich, noch breiter diese Attacken zu verteilen. Deswegen, da ist keiner vor gefeit, ne. Und wenn man mal so die Diskussion auch in der Politik grade mit Kanzler Merz und in Europa grad verfolgt, was europäische Souveränität angeht und Absicherung gegen Angriffe aus allen möglichen Richtungen, das ist 'n Thema, mit dem sich jeder auseinandersetzen muss.

00:26:56: ,218 [Speaker 0] Und da gehen wir gleich noch rein, äh, drauf ein, äh, wenn wir Richtung steile These gehen. Einem der Stilelemente unseres Podcasts. Aber die vierte Dimension möchte ich damit nicht aussparen wollen, sondern ich sag nur Transformation. Was ist eure vierte Dimension?

00:27:09: ,458 [Speaker 1] Ja. Plattformbasierte Transformation, weil alles, was ich grade gesagt hab, KI, Business Resilience und auch Mensch-Maschine-Interaktion, passiert auf Plattformen. 'Ne Plattform kann ja, also 'ne IT-Plattform, technologische Plattform. Man kann sich natürlich für jedes Problem, was man hat, immer 'ne Individualsoftware bauen lassen, die dann genau dieses eine Problem löst, die dann immer gewartet werden muss, regelmäßig upgedatet werden muss. Dann wird's irgendwann 'n bisschen kompliziert. Deswegen gibt's ja Anbieter, Lösungshersteller, die sich überlegt haben, wir bauen eine große Plattform dafür. SAP kennt jeder wahrscheinlich, ist ja auch 'ne Plattform.

00:27:41: ,698 [Speaker 0] Mhm.

00:27:41: ,658 [Speaker 1] So. Microsoft Office ist 'ne Plattform, Windows ist 'ne Plattform. Und das ist für uns 'n sehr entscheidender Teil unseres Businesses, dass wir mit großen Plattformen, mit den relevanten Plattformanbietern im Markt partnern, mit den vier großen, also Atlassian, ServiceNow, OpenText und BMC. Das sind die vier großen relevanten laut den Analystenverlagen, die es grade so gibt, das auch immer 'n bisschen im Fluss ist, ne. Es gibt auch immer welche, die dann aufsteigen, absteigen, damit wir unseren Kunden helfen können, die richtigen Plattformen auszuwählen und die dann auch zu implementieren. Weil diese großen Hersteller gehen nicht zu 'ner Kommune und sagen: „Hallo, hier ist mal ein Fund von meiner Plattform. Setz das doch mal ein." Du hast immer 'nen Implementierungspartner dazwischen und das sind wir und noch 'n paar Marktbegleiter. Deswegen ist das für uns relevant, dass wir da eben up to date sind am Markt, intensive Partnerschaften pflegen, neben den Partnerschaften mit den Hyperscalern Microsoft, Google, Apple, muss ich alle sagen.

00:28:29: ,198 [Speaker 0] Nein. [lacht]

00:28:31: ,958 [Speaker 1] Gibt's auf der Website.

00:28:31: ,918 [Speaker 0] Komm, erzähl mir doch 'n bisschen.

00:28:32: ,678 [Speaker 1] Genau, also das sind alle Relevanten. Aber eben da Plattformen besonders wichtig, weil die dafür sorgen, dass das skalieren kann. Ne, weil ich nicht Einzelfallentscheidungen immer wieder neu dran programmieren muss, sondern weil einfach es einmal 'ne Plattform gibt, die alle Eventualitäten abdeckt.

00:28:46: ,018 [Speaker 0] Wie kannst du die Angst nehmen, wenn es ums Wirtschaften der Zukunft geht? Du sprichst, das hab ich dich überhaupt nicht gefragt, du hast deinen Doktor in was? Bist du ITler?

00:28:54: ,238 [Speaker 1] Nee, ich bin Wirtschaftswissenschaftler. Ich hab am Lehrstuhl für Marketing an der TU Dortmund promoviert und hab darüber promoviert, wenn du grade nach Angst fragst, ist ganz witzig. Ich hab darüber promoviert, wie man aus Marketingsicht Akzeptanzbarrieren bei disruptiven Innovationen verringern kann.

00:29:10: ,738 [Speaker 0] Auch nicht schlecht, aber da warst du noch gar nicht auf dem IT-Fokus, ne, sondern generell, weil, äh, was, äh, löst aus, ne?

00:29:15: ,898 [Speaker 1] Ja, interessierter Laie auf jeden Fall. Äh, nee, meine Dich ging's um tiefgekühlte Babynahrung als Innovation. Das war ganz was anderes, FMCG. Aber nee, es ging im Endeffekt darum, warum wollen Menschen trotzdem eine objektiv überlegene neue Lösung nicht haben, auch wenn sie objektiv überlegen-

00:29:29: ,818 [Speaker 0] Weil's Veränderung bedeutet, Komfortzone verlassen bedeutet, weil es, ja, bequemer ist, wenn es so bleibt, wie es ist, ne.

00:29:34: ,058 [Speaker 1] Genau. Und weil man vielleicht dann noch Information Overload hat, weil's einfach nicht klar ist, wo ich denn die Informationen herkriege. Und dann war die letzte Dimension noch: Auf wen verlasse ich mich? Meine Peers, Familie, Freunde und so weiter, die auch alle skeptisch sind. Und wenn du dann nicht in 'nem Umfeld bist, wo alle sagen: „Ja klar, wir gehen auf das Neue", dann wird's schwierig. Und dann war die Frage: Wie kann man das aus Marketingsicht anders machen?

00:29:53: ,858 [Speaker 0] Wenn du Wirtschaften der Zukunft hörst, was geht dir durch den Kopf, bevor wir gleich die steile These angehen?

00:29:59: ,338 [Speaker 1] Also ich find das beides schon mal ganz gut, weil erstens bin ich Wirtschaftswissenschaftler und ich, ich mag Wirtschaft auch ganz gerne, weil ich glaube, das hat viel Gutes für uns getan, dass wir 'ne starke Wirtschaft in Deutschland haben. Und mit Zukunftsorientierung kann ich halt auch 'ne Menge anfangen, weil das, was wir hier auch täglich machen, sehr viel mit Zukunft zu tun hat und wenig mit Vergangenheitsbewältigung oder Vergangenheitsverwaltung, ne.

00:30:19: ,078 [Speaker 0] Außer dass du die Daten hast, ne. Datensätze, mit denen du sozusagen aus der Vergangenheit, die nutzt du, um Zukunft zu schaffen. Kann man das so einfach sagen?

00:30:26: ,108 [Speaker 1] Das kann man so sagen.

00:30:27: ,968 [Speaker 0] Oder die, die Basis schaffen.

00:30:27: ,328 [Speaker 1] Das ist 'ne Neukombination, Rekombination von, von Wissen, von Daten, was immer dafür sorgt, dass irgendein Prozess besser läuft, schneller läuft, effizienter läuft, mit weniger Aufwand auf allen Seiten. Und das finde ich, ist 'ne total spannende Geschichte, weil ich der Überzeugung bin, dass Stillstand Rückschritt ist.

00:30:44: ,358 [Speaker 0] lacht]

00:30:44: ,058 [Speaker 1] Und deswegen, was wir mit der Digitalisierung halt tun, ist, dass es immer ein kleines bisschen besser und manchmal auch 'n großen Schritt besser wird. Und deswegen bin ich da total an Bord.

00:30:56: ,578 [Speaker 0] 动态背景音乐] Eine steile These zum Thema.

00:31:10: ,538 [Speaker 0] Damit kommen wir zur steilen These, äh, dem, einem der Stilelemente dieses Podcasts. Deutschland und Digitalisierung: Haben wir 'ne Chance? Sind wir gut aufgestellt? Das ist 'ne ganz platte Frage, ich weiß, und doch seid ihr ein Global Player für mich, der da 'ne Antwort drauf geben kann. Sind wir's?

00:31:27: ,538 [Speaker 1] Wir haben eine Chance, wir sind nur aktuell noch nicht mutig genug, sie wirklich zu ergreifen.

00:31:31: ,162 [Speaker 0] Oh cool. Wo könnten wir den Mut hernehmen?

00:31:34: ,522 [Speaker 1] Also es gibt sehr, sehr viele korrekte Einschätzungen in der Politik, in der Wirtschaft dazu.

00:31:39: ,372 [Speaker 0] Das war jetzt aber sehr diplomatisch. Entschuldige.

00:31:41: ,522 [Speaker 1] Über die Notwendigkeit, aber es gibt zu wenig Umsetzungsstärke dabei. Also dann werden zum Beispiel fünfhundert Milliarden, das ist meine, meine Sicht, das ist nicht die Materna-Sicht vielleicht, aber meine Sicht, da werden fünfhundert Milliarden in so ein großes Investitionspaket gepackt und dann wird trotzdem sehr schnell darüber diskutiert, welche Schwimmbäder man halt sanieren muss, die man sanieren muss. Das ist mir schon alles klar. Das wird nur halt in der Zukunft bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes wird das nicht der entscheidende Faktor sein. Straßen, Schwimmbäder, Infrastruktur, Büchereien, alles total wichtig. Wir hängen bei der Digitalisierung mittlerweile so weit hinterher, wenn man sich andere europäische Länder anguckt und auch was da an Geldern reinfließt, dass wir irgendwann nicht mehr die Chance haben, einfach über mehr Einsatz und mehr, weiß nicht, mehr besser ausgebildete Menschen immer noch da zu bleiben, wo wir sind.

00:32:25: ,082 [Speaker 0] Was wäre dein Vorschlag? Mit was wären erste Schritte, wo du sagst: „Mensch, da kann man auch relativ zeitnahe Erfolge sehen", und zu sagen: „Mensch, das macht Sinn, dort drin zu investieren." Ich glaube, dieses Wachküssen, diese, diese Erkenntnis, wenn wir die haben.

00:32:37: ,442 [Speaker 1] Also was auf jeden Fall eigentlich hätte passieren müssen: Wir haben halt in Deutschland, ich habe gerade Anthropic gesagt, das ist ein US-Unternehmen. Es gibt Mistral in Frankreich mit einer AI-Lösung. Wir haben in Deutschland mit Aleph Alpha einen gehabt, der jetzt von der Schwarz Gruppe unterwegs ist. Wir hätten einen Anker-KI-Anbieter gebrauchen können, den die Politik praktisch als, als Ankerkunde unterstützen hätte müssen, damit wir nicht abhängig sind von wieder außereuropäischen Anbietern. Sind wir jetzt aber wieder. Wir sind wieder an dem gleichen Punkt. Dadurch, dass man eben keine öffentlichen Investitionen da drin hatte, verlässt man sich sehr auf die Privatwirtschaft. Jetzt haben wir auch wieder KI-Gigafactories, wo man auch wieder sagt: „Na ja, da muss ja die Privatwirtschaft sich mit reininvestieren." Es gibt andere Länder, die machen das sehr, sehr anders. Wenn man mal guckt, was Saudi-Arabien allein in Gigafactories steckt, da ist nicht so viel Wirtschaft hinter. Das ist dann-

00:33:22: ,482 [Speaker 0] Kann man Saudi-Arabien mit Deutschland vergleichen, was gerade das Geld auch angeht?

00:33:25: ,982 [Speaker 1] Nicht in der politischen Dimension, aber in dem Willen, da etwas aufzubauen, was für die Zukunft nachhaltig trägt. Und bei uns ist es ganz oft so, dass man sieht: Ja, jetzt muss die Wirtschaft aber auch mal. Ja, wir haben aber die Dimensionen gar nicht, da reinzuinvestieren. Das muss politisch mit unterstützt werden. Und aus meiner Sicht haben wir nicht mehr so viele Chancen, das zu tun. Wir haben es bei Cloud, sehen wir es auch, welchen großen deutschen europäischen Cloud-Anbieter gibt's denn? KI haben wir jetzt gerade vielleicht noch die Chance, aber auch da wird's schon schwierig. Das nächste ist dann vielleicht, weiß nicht, vielleicht geht's mal irgendwo in Richtung Quantencomputing oder so was. Da streiten sich die Geister auch. Wir müssten da viel stärker, viel mutiger dafür sorgen, dass die Einhörner, die wir haben, so was wie Black Forest Labs zum Beispiel, ganz fantastische Unternehmen, die auch selber schon gut klarkommen. Ja, aber damit die wirklich einen großen Schritt machen, damit die wirklich relevant sind und bleiben, muss da politisch einfach viel mehr hinkommen.

00:34:11: ,942 [Speaker 0] Das heißt, dein Wunsch auf die Gefahr, dass ich jetzt ein Fass aufmache, wofür wir leider die Zeit nicht mehr haben, aber was wäre eines der nächsten Schritte oder ein, ein, ein Schritt, wo, wo jeder mitziehen kann und damit eine Basis schafft?

00:34:21: ,322 [Speaker 1] Ja, dass man aus dem Digitalisierungspaket, wir haben ja ein Digitalministerium jetzt, das ist schon mal eine gute Idee gewesen. Wir haben diesen großen Infrastrukturtopf, dass einfach ein viel, viel größerer, wenn nicht sogar alles davon, wenn's irgendwie geht, in Digitalisierung dieses Landes gesteckt wird.

00:34:36: ,801 [Speaker 0] Wow.

00:34:36: ,711 [Speaker 1] Das muss einfach passieren.

00:34:38: ,222 [Speaker 2] fröhliche Musik]

00:34:46: ,062 [Speaker 0] Und jetzt wird's persönlich. Die Frage nach der kleinsten Stärke.

00:35:02: ,902 [Speaker 2] fröhliche Musik]

00:35:02: ,622 [Speaker 0] Lieber Christian, ein abschließendes Stilelement ist die kleinste Stärke, damit man, ne, jetzt haben wir schon deine Ausführungen, also ich fand sehr spannend, zuhören dürfen, aber wenn man jetzt mit dir in Kontakt treten möchte, muss man sich was bewusst sein, wenn es um die kleinste Stärke geht?

00:35:19: ,622 [Speaker 1] Meine kleinste Stärke ist wahrscheinlich mein Perfektionismus.

00:35:23: ,271 [Speaker 0] Den nur du ausmachst oder wahrnimmst? Oder [lacht] dein Team wahnsinnig nervt.

00:35:28: ,002 [Speaker 1] Nee, also ich bin kein Mikromanager, gar nicht. Ich glaube, ich bin schon jemand, der sehr viel Vertrauensvorschuss auch mitbringt und relativ viel auch delegieren kann. Anders wird das auch nicht gehen in so einer Organisation. Ich bin trotzdem jemand, der sich durch diese Begeisterungsfähigkeit sehr, sehr in ein Thema reinfuchsen kann und dann möchte ich gerne noch mal die letzte Schraube und noch mal hier drehen und noch mal hier das Wort verändern. Und ich muss manchmal noch besser lernen zu erkennen, wann Pareto-mäßig 80 % auch reicht und das in die nächste Stufe zu bringen und nicht noch mal drei Wochen an der Präsentation weiterzuschrauben, weil dann irgendwann türmt sich's halt, ne. Also.

00:36:02: ,562 [Speaker 0] Du siehst es noch, aber dem Gegenüber-

00:36:03: ,052 [Speaker 1] Ja, genau.

00:36:04: ,822 [Speaker 0] gibt's nicht.

00:36:04: ,272 [Speaker 1] Irgendwann brauchst du diesen externen Input noch mal, um was voranzubringen und mein Perfektionismus verhindert das manchmal.

00:36:11: ,442 [Speaker 0] Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich hatte, bevor wir sozusagen hier on gegangen sind, Christian gefragt: Mensch, ne, ihr habt euren Firmensitz hier in Dortmund, in Deutschland. Ihr seid an 40 Standorten vertreten und doch lebt ihr Made in Germany. Warum ist euch das wichtig? Oder wenn's ums Wirtschaften der Zukunft geht, ist Wirtschaften in Deutschland überhaupt ein attraktiver Standort noch? Also ist Deutschland ein attraktiver Standort? Warum ist euch Made in Germany so wichtig?

00:36:33: ,142 [Speaker 1] Ich hatte das am Anfang ja gerade schon gesagt: Die Gründerfamilien leben auch hier. Das ist uns auch wichtig als Bekenntnis zur Region, dass wir das Headquarter genau hier auch in Dortmund gebaut haben und nicht in eine andere Region abgewandert sind oder zum Beispiel in die Peripherie, also schon noch in einer westdeutschen Großstadt. Ich glaube schon, dass es Märkte und Nischen dafür gibt, wenn man sagt Made in Germany, das ist vielleicht nichts. Es gibt ja dieses wunderschöne Dreieck der Wirtschaft, ne, schneller, besser, billiger. Kannst nicht alle drei gleichzeitig machen. Und wenn wir uns nicht in der Positionierung dafür entscheiden, immer die billigsten zu sein, sondern wir vielleicht die schnellsten und die besten, das geht nämlich, zwei davon kann man, dann glaube ich schon, dass das auf jeden Fall wieder mit einem Premium-Tag aufgeladen werden kann. Jetzt zwischendrin war es, glaube ich, auch mal in der Wahrnehmung so, das war mal so, Made in Germany war ein Qualitätssiegel. Dann war es irgendwann ein Siegel für Ineffizienz und viel zu aufwendige Prozesse und zu viel Overengineering und zu durchdacht. Und ich glaube schon, dass wir da wieder hinkommen können und das sehen wir auch bei den Mitarbeitenden, die wir jetzt zum Beispiel neu einstellen oder die jetzt eben halt auch da sind, was für tolle Projekte die halt bewegen insgesamt. Ich bin total optimistisch, dass wir nicht praktisch den nächsten Podcast in fünf Jahren aus Asien aufnehmen müssen, weil das hier alles keinen Sinn mehr macht. Das ist absolut-

00:37:38: ,882 [Speaker 0] Das wäre schade.

00:37:38: ,992 [Speaker 1] Genau, absolut.

00:37:39: ,472 [Speaker 0] Ich komme auch nach Asien, aber nee, das geht dann digital.

00:37:42: ,861 [Speaker 1] Ich mag ja Dortmund auch sehr gerne.Ich möchte auch gerne hierbleiben und ich bin mir ganz sicher, dass es dafür auch eben 'nen entsprechenden Markt gibt. Dann müssen wir vielleicht auch wieder als deutsche Gesellschaft, als europäische Gemeinschaft vielleicht auch wieder ein bisschen selbstbewusster auftreten und eben auch genau dann dieses Preispremium dafür auch verlangen. Wenn wir dann auch wieder aus der Politik raus nur in Ausschreibungen sind, die über den Preis gehen und uns dann wundern, wenn man dann praktisch das günstigstmögliche Angebot bekommt.

00:38:04: ,342 [Speaker 0] Aber nicht das Wirtschaftlichste, ne.

00:38:06: ,122 [Speaker 1] Am Ende das Projekt aber dann trotzdem doppelt so teuer wird, weil jemand das dann retten muss, was uns auch öfter mal passiert, dann wird's halt nicht so schön. Also lieber von Anfang an auf Qualität setzen.

00:38:15: ,282 [Speaker 0] Lieber Christian, auf das, was da noch kommt, ganz herzlichen Dank, dass du mir Rede und Antwort gestanden hast. Und ich glaube, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zum einen aber auch wir beiden haben gemerkt, wir sind nur an der Oberfläche gewesen und trotzdem haben wir Themenfelder angesprochen, ihr nennt es Dimensionen, eine Arena der Blickwinkel bespielt auf das, was wichtig ist, wenn es ums Wirtschaften der Zukunft geht im Bereich Digitalisierung und Wirtschaft, KI, AI. Wir haben so viele Bereiche angesprochen. Christian, danke, dass du mir Rede und Antwort gestanden hast und ich bin neugierig gespannt, in welchem Dialog wir uns wiederfinden werden, weil da bin ich sicher, dass wir das tun. Hast du ein abschließendes Wort, was du unseren Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg geben möchtest?

00:38:48: ,222 [Speaker 1] Vielen lieben Dank für die Einladung auf jeden Fall und danke fürs Zuhören natürlich. Ich freue mich ja, wenn ich da ein bisschen was teilen kann. Ich freue mich auf Feedback, falls jemand mich erreichen will, LinkedIn oder irgendwie andere Möglichkeiten gibt's ja relativ einfach. Und ich blicke optimistisch in die Zukunft und ich auch in die digitale Zukunft in Deutschland und ich hoffe, ich konnte das ein bisschen vermitteln und wünsche mir, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer das auch so tun.

00:39:07: ,962 [Speaker 0] Also, wenn's ums Wirtschaften der Zukunft geht, Christian, du bist dabei. Ganz herzlichen Dank dir.

00:39:11: ,982 [Speaker 3] Outro-Musik]

00:39:21: ,242 [Speaker 0] Die heutige Folge ist zu Ende, in der es darum ging. Das war der Podcast zum Wirtschaften der Zukunft und Digitalisierung. Wir sind, ja, eine Zeitreise durch verschiedene Dimensionen angetreten. Warum ist es wichtig, sich, egal ob klein- oder mittelständisches Unternehmen oder Konzern, Gedanken darüber zu machen, wie man sich ausrichtet, wenn es um Menschen, Haltung, aber auch Transformation und Resilienz geht in einem doch sehr technischen Umfeld. Bleibt neugierig und gespannt, empfehlt diesen Podcast sehr gerne weiter und auf das, was da noch kommt, gerne weiter gemeinsam. Es freut mich, dass ihr bis zum Ende drangeblieben seid. Eine Bewertung und ein Abo des Podcasts ist natürlich meine Empfehlung und hört beim nächsten Mal wieder rein, wenn es heißt Wirtschaften der Zukunft. Ich freue mich auf euch.

00:40:09: ,842 [Speaker 3] Outro-Musik]

Über diesen Podcast

Der ehrbare Kaufmann und das Wirtschaften der Zukunft – sind das Konzepte, die sich miteinander vereinbaren lassen? Dieser Podcast sucht zusammen mit euch Antworten auf Fragen, wie diese. Denn in Zeiten, in denen wir so viel Veränderung erleben, ist der Austausch und der Blick auf verschiedene Perspektiven wichtiger denn je. Gastgeberin dieses Formats ist Britt Lorenzen, die euch herzlich Willkommen heißt. Ihr seid herzlich Willkommen, zuzuhören, aber auch, neue Perspektiven beizusteuern und damit Teil einer Folge zu werden. Ebenfalls herzlich Willkommen heißt Britt Lorenzen in jeder Folge einen Interview-Gast, oder auch mal eine Runde von CEOs und anderen Führungskräften. Dabei sprechen sie im Grunde genommen immer über die Herausforderung, wirtschaftlichen Fortschritt zu wagen in Vereinbarkeit mit sozialen Fragen, Nachhaltigkeit und der eigenen Gesundheit.
Dieser Podcast bietet euch Geschichten von Herausforderungen & Erfolgen, damit ihr davon inspiriert werdet und auch morgen noch mitreden könnt. Seid gespannt & hört rein!
Dieser Podcast ist eine Zusammenarbeit mit der Podcast Agentur an der Alster.

Zur Webseite:
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von und mit Britt Lorenzen | Podcast Agentur an der Alster

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